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Volker Fuhlrott: Kämpfer und Geniesser

Es muss 1993 oder 1994 gewesen sein. Mit einem Kollegen spielte ich am Samstagmorgen ein Einzel. Als wir so schön mitten im Spiel waren, stürmte ein uns bis dahin Unbekannter aufs Spielfeld - und begann mitzuspielen.

Wir schauten uns verdutzt an, der Kollege und ich. Als „der dritte Mann“ unsere Verwunderung bemerkte, erklärte er ganz aufgeregt: „Ich habe in zwei Stunden in Zürich einen Interclubmatch und muss mich jetzt einspielen.“

Aha.

So lernte ich Volker Fuhlrott kennen. Eine erste Begegnung, die in Kürze alles zeigte, was Volker auch in den nächsten 25 Jahren im TC Stallikon leben sollte: Volles Engagement, grosser Enthusiasmus fürs Tennis und den Kampf mit den Nerven, noch bevor der erste Ball in einem Match gespielt war.

Kaum war aber der letzte Ball übers Netz geflogen, wurde aus dem Kämpfer der Geniesser. Sei es nach den Interclubbegegnungen, sei es jeweils bei unseren Veteranen Ziischtigs gewesen - Volker schätzte die Freundschaften, das Essen und den schönen Wein.

So auch jeweils im April, wo wir seit gut 20 Jahren unser Trainingscamp in Naturns, im Südtirol, aufschlagen. Da gibt es jeweils am Freitag ein Abschlussturnier, gespielt auf zwei Plätzen. Irgendwann wurde ich für meinen Match aufgerufen - und fand mein Racket nicht. Wo zum Teufel mag ich es nur abgelegt haben? Während der verzweifelten Suche sah ich plötzlich, dass Volker auf dem Platz nebenan mit meinem Racket seinen Viertelfinal spielte. Er bemerkte nicht, dass es ein anderes Racketmodell war als seines, eine andere Bespannung, eine andere Griffgrösse. Wenn Volker im Wettkampfmodus war, entgingen ihm Details wir Racketmodell und ähnliche Banalitäten…

Volker, der Tennisspieler, Volker, der 14 Jahre im Vorstand für das Wohl unseres Clubs sorgte und sich mit seinen juristischen Kenntnissen äusserst wertvoll einbrachte. Aber Volker Fuhlrott hatte auch eine andere, für Tenniskollegen nicht leicht erkennbare Seite, weil er sie nicht zur Schau trug - sein soziales Engagement. Dieses beschränkte sich bei weitem nicht auf Zuwendungen für wohltätige Organisationen. Nein, er kümmerte sich direkt, meist um jüngere Menschen, damit diese ihr Leben auf einem gesicherten Pfad beschreiten können.

Vor vier Jahren erhielt Volker Fuhlrott die Diagnose Krebs. Gegen diesen Gegner hatte er keine Chance. Am 11. April ist er von den Leiden erlöst worden, am 2. Mai wurde die Urne im Familienkreis der Erde übergeben. Volker ruht auf dem Friedhof in Stallikon.
Mario Rall
 

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Veröffentlicht
19:58:17 03.05.2018
admin

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