Vom Schützenhaus bis zur Würstlifabrik - die Entstehungsgeschichte des TC Stallikon






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Von Ruedi Fischer 


Die Zeit von 1977 bis 1984 hat der erste Präsident unseres Clubs, Dr. Mario Vassalli, in seinem Bericht für die erste Generalversammlung vom 2. Mai 1984 zusammengefasst. Nachfolgend eine durch mich gekürzte und ergänzte Zusammenfassung.

 

Am 6. Juli 1977 versammelte sich eine Gruppe von Tennisinteressenten im Restaurant Schwarzer Hecht in Stallikon. Die Versammlung setzte zwei Ausschüsse ein, den einen, welcher Standorte abzuklären hatte, den andern, um die Vereingründung vorzubereiten. Die Gruppe „Standortabklärung“ besichtigte und prüfte Grundstücke, verhandelte mit Landeigentümern, zug Experten des Schweizerischen Tennisverbandes bei und unterbreitete dem Gemeinderat schon am 18. Oktober 1977 zwei mögliche Standorte. Den einen in der Bleiki, den anderen in Sellenbüren, talwärts der Reppischtalstrasse (Anmerkung: Mehr oder weniger dort, wo jetzt unsere Anlage steht). Beide wurden abgelehnt. Demgegenüber empfahl der Gemeinderat den Standort Schützenhaus. Es handelte siche dort um Gemeindeland. Zur Abrundung der Parzelle war allerdings ein Landabtausch mit dem Nachbar, mit dem Götschihof in Aeugstertal, nötig. Um diesen Landabtausch zu ermöglichen, liess der Gemeinderat vom Bauernsekretariat in Brugg einen Vorschlag ausarbeiten, der jedoch vom Götschihof im Herbst 1979 definitv abgelehnt wurde.  
 

Fussballplatz und Tennisanlage

Die Suche nach einem Standort ging weiter. Der Gemeinderat unterbreitete dem Ausschuss „Standortabklärung“ den Vorschlag zur Errichtung eines Tennisplatzes in Gamlikon. Dort sollte eine Gemeindesportanlage auf gemeindeeigenem Land entstehen mit Fussballplatz, Tennisplatz und mehr. Der Gemeinderat unterbreitete dem Ausschuss auch einen Entwurf für einen möglichen Dienstbarkeitsvertrag zwischen Gemeinde und Tennisclub. Dem Grundsatz nach war man sich einig.

Damit schien auch der Zeitpunkt für eine Vereinsgründung gekommen zu sein. Diese erfolgte am 27. Februar 1981. Der Gemeinderat ersuchte nun den Tennisclub, ein Projekt auszuarbeiten, um die Eignung des Grundstückes für eine Sportanlage genauer abzuklären zu können. Auflagen waren u.a. ein gemeinsames Clubhaus/Garderobengebäude mit dem zukünftigen Fussballclub Stallikon. (Anm. zu diesem Zeitpunkt bestand aber keine richtige Trägerschaft für einen Fussballclub, ganz im Gegensatz zum Tennisclub). Auf entsprechende Eingabe des Tennisclubs hin kam der Gemeinderat mit Beschluss vom 12. März 1981 u.a. zum Ergebnis, dass das Bedürfnis für eine solche Anlage ausgewiesen sei und ein anderes Areal innerhalb der Gemeinde, welches ähnlich gute Voraussetzungen aufweise, nicht zur Verfügung stehe. Der Standort wurde im Sinne eines grundsätzlichen Vorentscheides genehmigt, und es wurde vom Gemeinderat der Kantonalen Baudirektion beantragt, diesem Vorentscheid die Zustimmung zu erteilen. (Anmerkung: Die Lage wäre für eine Sportanlage idyllisch gewesen, aber für die meisten nur per Auto erreichbar.)
 

Plan Gamlikon wurde verworfen

Gestützt auf diese positiven Voraussetzungen wurde in guten Treuen ein detailliertes Projekt ausgearbeitet. Der Gemeinderat nahm den Standort Gamlikon in den kommunalen Gesamtplan auf. Das Versprechen, das Geschäft noch im Jahre 1981 an der Gemeindeversammlung zu behandeln, blieb allerdings unerfüllt. Im Sommer 1982 erfuhren wir zufällig, dass der Gemeinderat den Standort Gamlikon fallengelassen habe. Auf entsprechende schriftliche Anfrage teilte uns der Gemeinderat mit, dass gegen den Standort Gamlikon Einwendungen erhoben worden seien. Die Einwendungen wurden durch den inzwischen verstorbenen Besitzer des Grundstücks oberhalb des geplanten Standorts, Herr Lorenzon, orchestriert. Der Gemeinderat schlug aber einen neuen Standort bei der Mühle in Sellenbüren vor, unweit von jenem Standort, den wir schon im Jahre 1977 vorgeschlagen hatten, den aber der Gemeinderat abgelehnt hatte. Der Standort bei der Mühle betrifft nicht gemeindeeigenes Land. Wie dem auch sei: Am 21. September 1982 wurde der Richtplan der Gemeindeversammlung vorgelegt. Das Bestreben des Vorstandes ging dahin, sowohl den Standort Gamlikon als auch jenen bei der Mühle Sellenbüren in den Plan aufzunehmen, wobei dann der Standort Gamlikon im späteren Nutzungsplan der Gemeinde hätte fallen gelassen werden können, wenn sich jener bei der Mühle realisiert hätte.. Obwohl der Vorstand die Mitglieder mit Schreiben vom 9. September 1982 über diese Problematik orientiert hatte, fanden sich nur wenige Tennisinteressenten an der Gemeindeversammlung vom 21. September 1982 ein. Der Standort Gamlikon wurde verworfen, und es blieb allein jener bei der Mühle Sellenbüren im kommunalen Gesamtplan.

Seither sind wir bestrebt, die Projektierung in der Mühle Sellenbüren voranzutreiben. Der Gemeinderat hat Herrn Architekt Louis Plüss mit der Planung der gesamten Sportanlage beauftragt. Der Nutzungsplan selbst soll gemäss Terminplan des Gemeinderates an der Gemeindeversammlung vom Herbst 1984 zur Verabschiedung gelangen. Wir hoffen sehr, dass dieser Terminplan eingehalten wird.

Immerhin, mit dem Standort Mühle stellen sich einige neue Probleme.

Abschliessend darf ich sagen, dass sich der Vorstand um die Verwirklichung einer Tennisanlage in Stallikon sehr bemüht hat. Er hat sich in elf Vorstandssitzungen, in zahlreichen Besprechungen mit Behörden, Planern und Dritten mit der Angelegenheit befasst. Aus Gründen, die nicht der Vorstand zu vertreten hat, war die Realisierung der Tennisanlage zu unserem Bedauern bis heute noch nicht möglich. Rund sieben Jahre sind wir jetzt an der Arbeit, vorerst als Ausschuss, hernach als Vorstand. Ich selbst bin der Meinung, dass es mit entsprechender behördlicher Unterstützung hätte möglich sein sollen, in dieser Zeit einen Tennisplatz in Stallikon zu realisieren.“ Soweit die Ausführungen unseres ersten Präsidenten, Dr. Mario Vassalli vom Mai 1984.  
 

Hinter der Würstlifabrik

Der neu vorgeschlagene Standort Mühle lag direkt hinter der damaligen Wurstfabrik HEWA. Von der Lage her wäre gegen den neuen Standort nichts einzuwenden gewesen, lag er doch nun dort wo die meisten zukünftigen Tennisspieler wohnen, nämlich in Sellenbüren. Allerdings konnte sich die Gemeinde das Kaufrecht dieser Parzelle nur zu einem relativ hohen Preis von Fr. 37.50 pro Quadratmeter sichern. Die finanziellen Bedenken waren aber nur zweitrangig. Die grössere Problematik bei diesem Standort waren die Immissionen der Wurstfabrik (Rauch und Geruch). Diese Bedenken wurden dem Gemeinderat mitgeteilt.

Mario Vassalli trat als Präsident auf die erste ordentliche Generalversammlung des Tennisclub am 2. Mai 1984 zurück. Neuer Präsident wurde Werner Kocher. Die anwesenden Clubmitglieder befürworteten den Standort Mühle unter der Voraussetzung, dass die Rauch/Geruchsimmissionen behoben werden.

Während des ganzen Monats Juni 1984 begab sich nun jedes Vorstandsmitglied mit einem Blatt Papier betitelt „Rauchimmisionsbeobachtungen auf dem für den Tennisplatz bestimmten Gelände in Sellenbüren“ regelmässig in besagtes Gelände und prüfte mit scharfer Nase die Geruchsintensität, notierte aus wievielen Kaminen Rauch ausgestossen wurde und hielt auch die Windrichtung fest. Wer seinerseits schon in Sellenbüren wohnte, kennt die Problematik des „Würstlirauchs“, speziell bei Staulagen oder talaufwärtswehenden Winden.

Gestützt auf diese Immissionsbeobachtungen teilte der Vorstand im Juli 1984 dem Gemeinderat mit, dass ein Spielbetrieb bei diesen Immissionen unzumutbar sei, frei nach dem Motto: „Wenn wir schon beim Tennisspielen Würstli sind, dann wollen wir wenigstens nicht auch noch wie solche schmecken.“ Der Vorstand machte sich von sich aus bereits auf die Suche nach weiteren möglichen Standorten. Leicht zerknirscht nahm der Gemeinderat unsere ablehnde Haltung zum Standort Mühle zur Kenntnis. Wiedereinmal war man bei Null angelangt und hatte einiges an Geld und Zeit in die Projektierung gesteckt.

Vier verschiedene Standortvarianten in und um Sellenbüren wurden dem Gemeinderat vorgeschlagen. Ironischerweise wurde der Standort, wo heute die Anlage liegt, vom Gemeinderat als „uralte, vom Gemeinderat früher abgelehnte Variante, Problem bezüglich verkehrsmässiger Erschliessung, Auffüllgebiet, eher ungeeignet“ bezeichnet. Speziell Werner Kocher machte sich zielstrebig an die Standortsuche, verhandelte mit Landeigentümern, hinterfragte die Probleme der verkehrsmässigen Erschliessung bei der nächsthöheren Instanz und siehe da, dort sah man keine Probleme. Probleme aber ergaben sich durch die komplizierten Besitzverhältnisse des Landes wo heute unsere Anlage steht. Seinerzeit kauften diverse Spekulanten Landwirtschaftsland talwärts der Reppischtalstrasse, in der Hoffnung, dieses Land würde einmal eingezont als Bauland. Teils Prognosen gingen von einer Gemeinde Stallikon mit über zehntausend Einwohnern aus. Im Sommer 1985 kristallisierte sich der heutige Standort immer mehr zum Favoriten. Die FDP sicherte uns ihre Unterstützung zu. An der Gemeindeversammlung im Dezember 1985 wurde die Umzonung bewilligt. Gemeindeschreiber Franz Birri engagierte sich sehr für einen Landabtausch und der damalige Finanzvorstand und heutige Gemeindepräsident John Fleuti machte sich für unser Projekt stark. Der Gemeinderat verzichtete auf die Fussballplatz-Erstellung, da immer noch keine Trägerschaft für einen Fussballclub gefunden werden konnte.

Nun wurden Architekten für einen Wettbewerb eingeladen. Prospektmatierial für zukünftige Mitglieder wurde erstellt. Im Aemtler Anzeiger wurde inseriert und auch im redaktionellen Teil auf die geplante Tennisanlage hingewiesen. Mit Banken wurde über die Finanzierung der Clubanlage und des Landkaufs verhandelt. Mit der Gemeinde über Landkauf oder Baurecht diskutiert. Die Vereinsmitglieder wurden informiert, dass die lange Warterei als Mitglied eines Tennisclubs ohne eigene Plätze bald ein Ende hätte.

In einem 12-seitigen Abtretungsvertrag und einem fünfseitigen Tauschvertrag wurde das notwendig Land durch die Gemeinde umgelegt und abgetauscht. Unser Club kaufte dann von der Gemeinde und weiteren Landeigentümern das Land zu Fr. 15.-- m2, mit der Option, zusätzliches Land für die Erweiterung zum gleichen Preis plus Teuerung später von der Gemeinde erwerben zu können. Ein auswärtiger Landeigentümer machte seine Zustimmung im letzten Moment von einer Separatzahlung von Fr. 5’000.-- abhänging. Zähneknirschend zahlten wir.
 

39 Zahlende...

Der Tennisclub wurde bekanntlich 1981 gegründet, als berechtigte Hoffnungen auf eine baldige Realisierung des Projekts Gamlikon bestanden. Nun galt es fünf Jahre später herauszufinden, wieviele der eingetragenen Mitglieder, die einmal Fr. 50.-- einbezahlt hatten, noch wirklich bereit waren, aktive Mitglieder zu werden und sich finanziell zu engagieren für den Bau der Anlage. Diverse Interessenten waren in der Zwischenzeit in anderen Tennisclubs beigetreten. In Hausen und in Birmensdorf waren neue Anlagen erstellt worden, und auch im TC Wettswil fanden einige Interessenten Unterschlupf. So konnte der damalige Kassier, Walti Ziegler, im Juni 1986 von insgesamt 39 Mitgliedern berichten, die effektiv auch eingezahlt hatten. Dies bewog den Vorstand, das gesamte Projekt zu überdenken. So reduzierte man das Projekt auf zwei Plätze mit der Idee, einen dritten Platz zu bauen, sobald mehr Mitglieder in den Club eintreten. Auch die Erstellung eines Clubhauses nach Plänen von Architekten wurde aus Kostengründen fallengelassen. Beim Tennisclub Oberlunkhofen besichtigte der Vorstand ein Systemhaus der Firma Furter. Ein ziemlich ähnliches Haus wurde dann gewählt und ich bin auch heute noch der Ueberzeugung, dass wir eine gute Wahl getroffen hatten. Die Kosten waren klar definiert und der Finanzlage angemessen. Bei Interclubspielen erhalten wir regelmässig Komplimente der Gäste für unser schmuckes Clubhaus.

Im August und Dezember 1986 fanden ausserordentliche Generalversammlungen statt. Der Vorstand wurde ermächtigt, das notwendige Land von der Gemeinde zu kaufen, zwei Plätze in Auftrag zu geben, für den dritten die Rohplanie vornehmen zu lassen sowie ein kostengünstiges Clubhaus zu bauen. Die Beleuchtung der Plätze wurde noch zurückgestellt, aber sämtliche Leitungen waren geplant. Die Gemeinde sicherte uns ein zinsloses Darlehen von Fr. 100’000.-- für zehn Jahre zu.

Der Club wurde vom Schweizerischen Tennisverband aufgenommen mit Mitgliednummer 1377. Es wurde bereits je eine Damen und Herren-Jungsenioren Interclubmannschaft angemeldet. An der ordentlichen GV im März 1987 waren bereits 68 Aktivmitglieder zu verzeichnen. Die Hülle des Hauses stand und an den Plätzen wurde gearbeitet. Aus der Versammlung wurde dann der Antrag gestellt, den 3. Platz sofort zu bauen und dafür den Jahresmitgliederbeitrag um Fr. 50.-- auf Fr. 550.-- pro Einzelmitglied bzw. Fr. 950.-- pro Paarmitglied zu erhöhen. Dieser Vorschlag wurde angenommen, dafür wurde aber die Trainingswand um ein Jahr zurückgestellt. Für damalige Verhältnisse waren diese Beiträge im Vergleich zu anderen Clubs eher hoch. Zusätzlich dazu kommen noch eine Eintrittsgebühr und ein unverzinster Anteilschein. Anzumerken ist, dass bis heute die Jahresbeiträge gleichgeblieben sind.  
 

Fronarbeit statt Tennisspielen

Wegen des ausserordentlich harten Winters (der Stalliker Langlauf konnte 1987 letzmals durchgeführt werden!) und starken Regenfällen im Frühjahr verzögerte sich die Inbetriebnahme der Tennisplätze bis gegen Ende Juni 1987. Anstelle von Tennisspielen wurde umso eifriger in Fronarbeit am Innenausbau des Clubhauses gearbeitet. Unter kundiger Leitung von Christian Vonow wurde getäfert, verputzt und gemalt. Als die Baufortschritte sichtbarer wurden, meldeten sich auch weitere Mitglieder und Ende 1987 zählte der Club 100 Aktivmitglieder. Aeusserst erfreulich war auch das Interesse von Kindern und Jugendlichen. Ein richtiges Tennisfieber brach in Stallikon aus. 71 Junioren waren Ende 1987 Mitglieder.

Mit der weiteren Zunahme an Mitgliedern und der daraus resultierenden gesunden Finanzlage wurde 1988 die Trainigswand erstellt. 1992 wurde dann nach grösseren Diskussionen zuerst die Beleuchtung der Plätze 2 und 3 erstellt. Im Jahr darauf wurde dann der vierte Platz erstellt und das entsprechende Land von der Gemeinde gekauft.

2003 wurde auf der Anlage eine Handyantenne von Orange erstellt und mit dem Club ein entsprechender Abgeltungsvertrag abgeschlossen. Später setzte auch die Swisscom auf diesen Masten seine Sender.

Im Frühling 2010 hat der Club eine komplett neue Küche eingebaut, und im Frühling 2011 mussten die Duschanlagen saniert werden.

2018 wurden die in die Jahre gekommenen Sandplätze durch vier neue Allwetterplätze "Swiss Court" ersetzt